Wer schon einmal in der Wachau war, der weiß um die besondere Magie dieser Kulturlandschaft zwischen Krems und Melk. Hier, wo mit der Venus von Willendorf das älteste österreichische Kunstwerk aus der Altsteinzeit entdeckt wurde, fanden Wein- und Obstanbau die perfekte klimatische Umgebung. Eingebettet in den weltberühmten Steinterrassen sorgen die schöne blaue Donau, die vielen Sonnenstunden und kühle Nächte für perfekte Wachstumsbedingungen.

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Seit rund 2.000 Jahren ist auch der Nikolaihof ein Teil der Geschichte dieser beeindruckenden UNESCO-Weltkulturregion. Die größtenteils aus dem 15. Jahrhundert stammenden Gebäude stehen zum Teil auf Fundamenten der Römerzeit. Und auch heute noch sind viele Spuren der Römer sichtbar. So befinden sich etwa die Überreste der frühchristlichen Agapitus-Basilika im Hof. Vollständig erhalten ist hingegen der antike Weinkeller, gebaut als Teil einer römischen Unterkirche. Diese geschichtsträchtigen Räume werden auch heute zur Lagerung der edlen Tropfen genutzt. Historisch ebenso interessant ist die Hofkapelle. Diese wurde von den Augustiner-Chorherren des Passauer Stiftes St. Nikola errichtet. Heute erinnert noch der Name des Anwesens - der Nikolaihof - an die Geschichten aus längst vergangenen Zeiten.

Die Geschichte des Nikolaihofs ist aber nicht nur eng mit die des christlichen Abendlandes oder der Römer, sondern auch mit jener des Weines verknüpft. Wein wird in der Wachau seit den Kelten angebaut. Die erste urkundliche Erwähnung fällt in die Zeit des heiligen Severin und der Römer um 470 n. Chr. Severin selbst soll - sofern es die Arbeit als Seelsorger, Missionar und Klöstergründer zuließ - häufig die Abgeschiedenheit der Weinberge für seine Gebete aufgesucht haben.

Fast 1.550 Jahre später hat sich an der Tatsache, dass die Weinberge Kraft und Energie spenden, nichts geändert. Der heilige Severin sitzt zwar längst nicht mehr im Weinberg und auch seine Gebete sind mittlerweile verstummt. Am regen Treiben zwischen den Weinreben ändert das aber nichts: Seit 1894 werden Hof und Riede von der Winzerfamilie Saahs bewirtschaftet. Eine Umstellung der Wirtschaftsweise auf die Richtlinien des Demeter-Bundes machte ab den 1970er Jahren den Weg zu einer ökologischen Veränderung frei. Dieser Weg wurde allerdings aus einer ökonomischen Notwendigkeit heraus eingeschlagen - bei der Übernahme durch Winzerchef Nikolaus Saahs 1960 war kein Geld für landwirtschaftliche Hilfsmittel da, weshalb man lernte, ohne Pflanzengift, dafür aber im Einklang mit der Natur und ihren Nützlingen zu arbeiten. Als Winzerin Christine Saahs 1971 auf den Hof kam, brachte sie die Methoden Rudolf Steiners mit. Dessen anthroposophische Richtlinien waren eigentlich für landwirtschaftliche Betriebe gedacht, ebneten später aber den Weg in den „biodynamischen“ Demeter-Weinbau.

Dieser Wertewandel stand natürlich im Gegensatz zur herkömmlichen Bewirtschaftung der konventionellen Landwirtschaftsflächen in Österreich - doch der Erfolg sollte der Familie bald recht geben. Internationale Weinkenner wurden damals rasch auf den Nikolaihof aufmerksam - mit Folgen, denn heute werden 70 Prozent der Weine in über 40 Länder exportiert. Im Laufe der Jahre sind zu den internationalen Kunden viele internationale Preise hinzugekommen. In den Bewertungen des US-amerikanischen Weinvirtuosen Robert Parker etwa nehmen Weine des Nikolaihofs regelmäßig Spitzenplätze ein.